Darf ich mich so sehen lassen?
- meingedankenfreira
- vor 6 Tagen
- 1 Min. Lesezeit

Manchmal denke ich, meine Vergangenheit sitzt noch immer leise neben mir.
Wie ein Schatten, der mir ins Ohr flüstert, sobald schöne Worte fallen.
Ich habe schon einmal darüber geschrieben, wie schwer es mir fällt, Komplimente anzunehmen.
Wie sie an mir abprallen, als wären sie für jemand anderen bestimmt.
Als hätte man sich im Namen geirrt.
Und nun ist da jemand, der mich ansieht, mich beschreibt, mich meint.
Ehrlich. Warm. Ohne Zögern.
Und ich stehe dazwischen - zwischen dem Wunsch, mich in diesen Worten auszuruhen,
und der Angst, sie könnten zerbrechen, wenn ich ihnen glaube.
Ein Teil von mir möchte sich öffnen wie ein Fenster im Frühling.
Licht hereinlassen. Mich gesehen fühlen. Vielleicht sogar schön.
Ein anderer Teil zieht die Vorhänge wieder zu.
Flüstert: „Das kann nicht echt sein.“ „Du interpretierst zu viel hinein.“ „Bleib vorsichtig.“
Es ist seltsam, wie überwältigend es sein kann, wenn jemand einen wirklich sieht.
Nicht nur die Oberfläche. Nicht nur das Funktionieren. Sondern das Dahinter.
Vielleicht ist Annehmen die größere Kunst als Geben. Vielleicht braucht mein Herz einfach Zeit, um zu verstehen, dass nicht jedes liebe Wort eine Falle ist.
Vielleicht darf ich langsam lernen, dass ich mich so fühlen darf. Dass ich gemeint sein darf. Dass ich bleiben darf, wenn mich jemand in einem guten Licht sieht.
Und vielleicht ist genau das gerade meine leise, mutige Übung:
Nicht wegzuschauen. Nicht sofort zu relativieren.
Sondern einen Moment länger stehen zu bleiben in der Möglichkeit, dass es wahr ist.




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