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Es ist etwas anderes, selbst Angst zu kennen.

  • Katja
  • 27. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

Und es ist nochmals etwas völlig anderes, nachts um halb drei eine Nachricht zu bekommen von einem Menschen, der gerade mitten in einer schweren Angstphase steckt und nicht mehr weiss, wie er da herauskommen soll.


Eine ehemalige Schulkameradin schrieb mir.

Die eigentliche Panikattacke war schon vorbei. Aber das danach blieb. Dieses nicht endende Zittern im Inneren. Diese völlige Erschöpfung. Diese Angst, sterben zu müssen. Diese Verzweiflung.


Und obwohl ihr Mann zu Hause war. Obwohl ihre Kinder da waren. Meldete sie sich bei mir, weil Angst irgendwann alles so eng macht, dass man einfach nur noch irgendeinen Halt sucht.


Das Schwierige daran: Es gibt oft nichts, das wirklich hilft. Vor allem nicht mit Worten.


Denn wenn jemand fragt: „Glaubst du, ich habe einen Herzinfarkt? Muss ich jetzt sterben?“ dann kann ich nicht einfach sagen: „Nein.“

Nicht, weil ich denke, dass es so ist. Sondern weil ich es schlicht nicht wissen kann.


Und genau dort beginnt diese unfassbare Hilflosigkeit. Man möchte beruhigen. Man möchte Sicherheit geben.

Aber Angst akzeptiert keine Logik. Keine vernünftigen Sätze. Keine perfekten Antworten.


Ich habe überlegt, ihren Mann anzurufen. Ihm zu sagen, dass er nicht reden soll. Nicht analysieren. Nicht fragen. Einfach ruhig da sein. Einfach Nähe geben, ohne etwas lösen zu wollen.

Aber ich habe es nicht getan. Weil man manchmal spürt, wo Unterstützung endet und Einmischung beginnt.


Und trotzdem wusste ich: Diese Nacht wird nicht einfach vorbei sein. Diese Angst verschwindet nicht nach einer Stunde. Sie wird wahrscheinlich noch Tage kämpfen müssen gegen ihren eigenen Körper, gegen ihre Gedanken, gegen diese ständige Angst vor dem Sterben.


Und während ich da sass, wurde mir wieder bewusst: Ich kenne diese Angst. Ich weiss, wie sie funktioniert.

Und gleichzeitig wurde mir klar, wie dankbar ich dafür bin, dass ich mittlerweile Wege habe, mich aus den höchsten Spitzen wieder etwas herunterzuholen.

Nicht perfekt. Nicht immer. Aber immerhin.


Viele Menschen verstehen nicht, was Angststörungen wirklich bedeuten. Weil man sie nicht sieht. Weil Betroffene oft funktionieren. Weil sie mitten im Alltag stehen und innerlich trotzdem kämpfen wie gegen einen unsichtbaren Sturm.


Deshalb ein kleiner Appell an alle, die psychisch gesund sind: Seid dankbar.


Und wenn euch jemand begegnet, der unter Ängsten leidet: Urteilt nicht. Redet nicht vorschnell. Versucht nicht sofort zu reparieren.


Fragt lieber: „Was würde dir gerade helfen?“ Oder bleibt einfach ruhig da.

Manchmal ist genau das das Wertvollste überhaupt.

 
 
 

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​Hinweis: Die Gespräche sind keine Therapie und ersetzen keine medizinische oder psychologische Behandlung.

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