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Unterwegs im Nichts

  • Katja
  • 10. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Leo, ein Bus und ein sehr echter erster Versuch



Der Bus ist noch nicht ausgebaut.

Eigentlich ist da noch vieles offen, vieles geplant, vieles verschoben worden, weil immer wieder etwas dazwischenkommt.

Und trotzdem: Die Matratze ist drin.

Mehr braucht es manchmal nicht für den Anfang.


Also habe ich Leo geschnappt, ihn in den Bus gesetzt - und wir sind einfach losgefahren.


Die ersten ein, zwei Minuten fand er das nicht so toll.

Dieses leichte Unbehagen, dieses „Was passiert hier gerade?“, das man ihm deutlich ansehen konnte.

Und ich hatte kurz diesen Gedanken:Wir brauchen wohl doch eine Transportbox. Sonst leidet irgendwann der Rucksack darunter.

Aber auch das gehört wohl dazu. Dinge lernen, während sie passieren. Nicht vorher.


Ich bin nicht weit gefahren. Nur ein kleines Stück raus, dorthin, wo es offiziell erlaubt ist zu stehen. Ein Platz irgendwo zwischen Nichts und noch mehr Nichts - neben Obstfeldern, ruhig, offen, fast ein bisschen verloren in der Landschaft.


Genau richtig für das, was wir beide gebraucht haben.


Leo einen Ort, um runterzukommen.

Ich einen Ort, um wieder bei mir anzukommen.


Und dann passierte etwas, das ich fast schon als leise Gesetzmässigkeit bezeichnen würde:

Je ruhiger ich wurde, desto ruhiger wurde er.

Und je ruhiger er wurde, desto ruhiger wurde ich.


Irgendwann sass ich einfach da, ziemlich entspannt, mit einer Wurst in der Hand, als wäre das die normalste Form von Abendgestaltung überhaupt. Und Leo war beschäftigt damit, Insekten zu beobachten und zu jagen und sehr vorsichtig so zu tun, als könnte er auch noch Fledermäuse jagen.

Es war nichts Spektakuläres. Und genau deshalb war es gut.


Als es dunkel wurde, sind wir ins Bett gegangen. Auch das hat erstaunlich gut funktioniert. Leo hat nicht protestiert, nicht versucht auszubrechen, nicht ständig signalisiert, dass er irgendwo anders sein möchte. Er lag einfach in seinem Rucksack und ist eingeschlafen.


Das hat mich mehr beruhigt, als ich erwartet hätte.


Ich selbst habe allerdings schlecht geschlafen, wie in letzter Zeit so oft. Mein Kopf war wach, mein Körper irgendwie auch. Irgendwann musste ich dann nochmal raus.


Und genau da, mitten in der Nacht, habe ich etwas bekommen, was ich unheimlich liebe:

Einen Himmel.

Klar, offen, still. Voller Sterne.


Ich stand da im T-Shirt und Unterhose, irgendwo auf dem Land, frierend, völlig egal wie ich aussehe oder wie das gerade wirkt. Es war einer dieser Momente, in denen alles Nebensächliche einfach verschwindet, weil etwas anderes zu gross ist.


Und ich bin nicht sofort wieder reingegangen.

Weil man manchmal nicht kann.


Am Morgen war Leos Stimmung dann weniger romantisch. Verständlich eigentlich. Er fand das Ganze nicht mehr so spannend und hat ziemlich klar gezeigt, dass er jetzt gerne wieder seine gewohnte Welt hätte.


Ich habe ihn sofort rausgelassen, dass er schnuppern kann und sich mit Insekten ablenken. Dann war alles wieder in Ordnung.


Wir haben zusammengepackt und sind heimgefahren.


Wenn ich ehrlich bin: Es war für das erste Mal besser, als ich gedacht hätte.

Leo war ruhiger, als ich erwartet habe.

Und ich selbst war innerlich viel unruhiger, als ich nach aussen vielleicht gezeigt habe.


Und trotzdem hat es funktioniert.

Das ist vielleicht das Wichtigste daran.


Und jetzt bleibt dieses Gefühl: Es geht wieder raus.

Wenn nichts dazwischenkommt, dann wieder nächstes Wochenende. Wahrscheinlich wieder an denselben Platz. Weil Ruhe manchmal wichtiger ist als Abwechslung.


Und wenn alles klappt, bauen mein Bruder und ich am Freitag das Bett fertig. Für Leo bedeutet das dann auch etwas sehr Einfaches und wahrscheinlich sehr Schönes: eine eigene kleine Höhle unter dem Bett.


Vielleicht ist das alles gar kein grosses Abenteuer.

Aber es fühlt sich ein bisschen so an, als würde etwas anfangen, das noch nicht ganz weiss, was es werden will.


Und genau das macht es spannend.

 
 
 

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